BWS-Gruppe
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Ein erster Schritt 1911

Oberinspektor und Gewerkschafter Josef Grüll nahm im Einvernehmen mit dem Generaldirektor der Südbahn, Sektionschef Dr. August Weeber, die Gründung der Wohnbaugenossenschaft in die Hand. Grüll arbeitete ein umfangreiches Programm aus.

Josef Grüll, Gründer und langjähriger Obmann
Josef Grüll, Gründer und langjähriger Obmann

Erste Bautätigkeit vor 1938

Nach der Gründung unserer Genossenschaft im Jahr 1911 konnten bereits 1914 die ersten Wohnungen am Margaretengürtel und in der Gassergasse in 1050 Wien und in der Beethovengasse in Mödling bezogen werden. Wenig später wurden Objekte in Wien Meidling, in Kapfenberg und je zwei Häuser in Marburg und in Innsbruck übergeben. Gebaut wurde, wo die größte Wohnungsnot bestand und wo die größte Mitgliederzahl zu verzeichnen war. Erklärtes Ziel war es, Kleinwohnungen für den bedürftigen Teil der Mitglieder zu schaffen.

Der erste Weltkrieg brachte die Aktivitäten zum Erliegen – es konnten gerade noch die bereits begonnenen Bauten unter größten Schwierigkeiten fertiggestellt werden.

In den Jahren nach 1931 ließen die staatliche Wohnpolitik, Arbeitslosigkeit, Geldentwertung und Verarmung keine nennenswerte genossenschaftliche Bautätigkeit mehr zu. Man beschränkte sich auf die Verwaltung der bestehenden Häuser.

Im „Roten Wien“ der Zwischenkriegszeit war die Gemeinde zum führenden Bauherrn geworden. Bis 1934 wurden aus Steuermitteln 64.000 Wohnungen errichtet. Die Gemeinde Wien blieb auch nach dem Krieg größter Auftraggeber im Wohnbereich und wurde dabei erst 1992 von den Genossenschaften abgelöst.

1928, BWSG-Zentrale, Wien, Margaretengürtel 36
1928, BWSG-Zentrale, Wien, Margaretengürtel 36
1922, Innsbruck-Pradl
1922, Innsbruck-Pradl

Modernes Wohnen bis 1945

Die wesentlichen Verbesserungen für die Bewohner der ersten Genossenschaftshäuser im Vergleich zu den Verhältnissen in den sogenannten „Zinskasernen“ betrafen neben dem Schutz vor willkürlicher Kündigung und Mieterhöhung vor allem die Hygiene- und Ausstattungsstandards. Ziel der Genossenschaft war es, den Mitgliedern, ein zwar „bescheidenes aber schönes und gesundes Heim zu schaffen“. „Gesund“ und „hygienisch“ – das waren im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Leitprinzipien sämtlicher Wohnungsreformbestrebungen und somit auch des genossenschaftlichen Wohnbaus. 

Da zur Gründungszeit der Genossenschaft ein enormer Mangel an Klein- und Kleinstwohnungen herrschte, bestanden 70 Prozent der in den ersten Jahren errichteten Wohnungen aus Zimmer und Küche bzw. Zimmer, Küche und Kabinett.


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die sanitäre Ausstattung der meisten Wohnungen noch äußerst mangelhaft. Ein Großteil der Bevölkerung lebte in sogenannten „Bassena-Wohnungen“, verfügte also über keinen eigenen Wasseranschluss, sondern teilte sich eine Wasserentnahmestelle am Gang mit anderen Mietern. Im Vergleich dazu boten die Genossenschaftshäuser eine gute sanitäre Ausstattung. Badezimmer fanden sich zwar nur in den größeren Wohnungen, sämtliche Wohnungen verfügten jedoch über einen eigenen Abort und Wasseranschluss. Ein WC innerhalb der Wohnung bedeutete nicht nur mehr Bequemlichkeit und Privatsphäre, sondern auch gesundheitliche Vorteile. Darüber hinaus verfügten die Häuser über Gemeinschaftsbäder und -waschküchen sowie Trockenräume für die Wäsche. Das bedeutete, dass man zumindest das Wohnhaus nicht mehr verlassen musste, um Körper und Wäsche zu reinigen. 

Elendsquartier in Wien
Elendsquartier in Wien
Typische Gangküche im Gründerzeithaus
Typische Gangküche im Gründerzeithaus

Modernes Wohnen nach 1945

Erst mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und der Entstehung der Massenkonsumgesellschaft nach 1945 kam es zu Veränderungen bei den Ausstattungsmerkmalen in den Genossenschaftshäusern.

Vor allem die 1952 von der Kammer für Arbeit und Angestellte, der Kammer der gewerblichen Wirtschaft, der Gemeinde Wien und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund ins Leben gerufene Aktion „Soziale Wohnkultur“ war etwa zwei Jahrzehnte lang maßgeblich an der Modernisierung des Wohnens beteiligt. Die in diesem Rahmen produzierten Möbel waren von ihren Dimensionen her ideal für die kleineren und niedrigeren Räume der Neubauwohnungen, in die die alten, voluminösen Möbel nicht mehr hineinpassten.

Zur Entstehung einer neuen Wohnkultur trugen die steigenden Wohnungsgrößen in den 1960er Jahren wesentlich bei. Für viele wurde es nun erstmals möglich, Wohnen und Schlafen sowie Eltern- und Kinderschlafzimmer räumlich zu trennen. Die sanitäre Ausstattung erfuhr eine weitere Verbesserung: Neben dem WC zählte nun auch das Badezimmer zum Standard.

Bei den Wiener Bauten der BWS-Gruppe hat sich seit den 1950er Jahren die durchschnittliche Wohnungsgröße von 55m² auf 85m² erhöht. Gleichzeitig gibt es auch den Trend zu kleinen Singlewohnungen. Mit der Erosion der traditionellen Familie und der Flexibilisierung und Vervielfältigung der Lebensformen haben sich jedenfalls die Anforderungen an den Wohnbau geändert.

Das Konzept der Mitbestimmung, das seitens der BWS-Gruppe mit einem der letzten Projekte „so.vie.so“ verfolgt wurde, ist ein erfolgreicher Versuch, auf die geänderten Bedürfnisse zu reagieren und all diesen Entwicklungen Raum zu geben.

Soziale Wohnkultur, Mosaik-Küche, um 1955/60
Soziale Wohnkultur, Mosaik-Küche, um 1955/60
Wohnhausanlage so.vie.so, 1100 Wien, Sonnwendviertel Solidarisch und mitbestimmt wohnen
Wohnhausanlage so.vie.so, 1100 Wien, Sonnwendviertel Solidarisch und mitbestimmt wohnen