Arbeit, die ins Leben passt
Beschäftigte wünschen sich heute nicht nur Flexibilität, sondern Arbeit, die Sinn stiftet, soziale Verbundenheit ermöglicht und mit dem eigenen Leben vereinbar ist.
Zur Übersicht
(c) Andreas Prott/AdobeStock
"Wie geht’s?" – "Wie die anderen wollen." Wer so seinen Arbeitstag beginnt, hat vermutlich wenig Freude an seinem Job. Oder mag Sarkasmus. So oder so, laut einer Metaanalyse von Balke A. Allan(1) ergeben sich hohe Korrelationen zwischen sinnvoller Arbeit und Arbeitsengagement, Commitment und Arbeitszufriedenheit, mittlere bis hohe Korrelationen mit Lebenszufriedenheit, Lebenssinn, allgemeiner Gesundheit und Kündigungsabsichten.
Der jährliche "State of the Gallup Global Workplace Report"(2) konstatiert, dass Menschen ein höheres Wohlbefinden in ihrer Arbeit empfinden, wenn sie sie als intrinsisch befriedigend, nützlich für andere und mit Wahlmöglichkeiten bzw. Autonomie erleben.
Eine solche Arbeitswelt nehmen offenbar noch nicht sehr viele Menschen wahr. Gallup stellt in seiner aktuellen Studie in mehr als 140 Ländern fest, dass weltweit nur 20 Prozent der Beschäftigten engagiert sind (2019 waren es noch 23 Prozent). Sie üben ihre Arbeit mit Interesse und Motivation aus und haben einen starken Bezug zu ihrem Arbeitsplatz. Gleichzeitig bewerten 34 Prozent ihr gegenwärtiges Leben insgesamt positiv und blicken optimistisch in die Zukunft.
Leben ganz okay, Arbeit na ja
In Österreich zeigt sich ein interessantes Bild: Während nur neun Prozent der Beschäftigten nach dieser Studie als engagiert gelten, bezeichnen sogar 48 Prozent der Menschen ihr Leben insgesamt als positiv. 81 Prozent der Beschäftigten erledigen ihren Job, sind aber emotional wenig mit ihrer Arbeit verbunden. Sie investieren meist nicht besonders viel zusätzliche Energie
oder Initiative. Zehn Prozent zeigen aktiv eine negative Haltung gegenüber ihrer Arbeit bzw. ihrem Arbeitsplatz.
Dass Menschen in Österreich ihr Leben insgesamt positiv bewerten, während im weltweiten Vergleich wenige Beschäftigte engagiert sind, lässt vermuten, dass es mit der Work-Life-Balance
hierzulande nicht gar so gut klappt – zumindest in der Wahrnehmung unserer Landsleute.
Das Wetter grauenhaft, der Verkehr ein Wahnsinn, die Kolleg:in heute in Höchstform. Man könnte den Hang zum Sudern ins Treffen führen, den man uns nachsagt. Dieses Klischee lässt sich zwar nicht wissenschaftlich belegen, die vergleichsweise hohe Lebenszufriedenheit bestätigt aber auch der "OECD Better Life Index"(3). Danach bewerten die Österreicher:innen ihr Leben mit 7,2 von 10 Punkten deutlich positiver als der OECD-Schnitt von 6,7. Vielleicht sind wir gar nicht so unglücklich, wie wir klingen. Jammern entlastet, könnte man daraus schließen.
Vielleicht sind die Menschen in Österreich gar nicht so unglücklich, wie sie klingen.
Wichtige Komponente: faires Gehalt
Der Arbeitsmarktkompass(4), den das österreichische Online-Meinungsforschungsinstitut Marketagent in Kooperation mit Leitbetriebe Austria regelmäßig durchführt, legt im Gegensatz zu Gallup eine sehr hohe bzw. eher hohe Zufriedenheit im Job (31 bzw. 53 Prozent) in Österreich nahe. Marketagent sieht auch eine Korrelation zwischen Zufriedenheit und Entlohnung. Im Langzeitvergleich antworten 62 Prozent das faire Gehalt auf die Frage, was einen attraktiven Arbeitsplatz ausmacht, gefolgt von einem guten Arbeitsklima mit 53 Prozent und flexiblen Arbeitszeiten mit 42 Prozent. Das Institut sieht darin einen Trend, dass Arbeitnehmer:innen verstärkt Wert auf verlässliche und unmittelbar spürbare Rahmenbedingungen legen.
Dass die Beschäftigten keineswegs immer weniger leisten wollen, zeigt der Blick auf die Einstellung zu Überstunden. 87 Prozent akzeptieren Mehrarbeit, sofern diese fair abgegolten wird. Der Wunsch nach einem ausgewogenen Arbeitsalltag bleibt dennoch stabil. Die ideale Wochenarbeitszeit liegt für die Befragten im Schnitt bei 33,5 Stunden. Durchschnittlich rund 41 Prozent der Arbeitszeit würden Beschäftigte bevorzugt im Homeoffice verbringen.
Balance vor Karriere
Homeoffice spart zwar den Arbeitsweg – laut Marketagent nehmen die Befragten im Schnitt maximal 23 Kilometer in Kauf –, doch die geringere soziale Verbundenheit, die Homeoffice mit sich bringt, wird zunehmend zu einem Thema der Arbeitswelt. Gerade bei Arbeitsmodellen mit wenig persönlichem Kontakt stellt sich daher die Frage, wie Unternehmen trotz räumlicher Flexibilität Zugehörigkeit, Austausch und soziale Beziehungen fördern können.
Marketagent erfragt im Arbeitsmarktkompass auch, welche Aspekte den Beschäftigten im Hinblick auf ihr Privat- und Berufsleben wichtig sind. An erster Stelle steht dabei, Zeit für Familie und Privates zu haben, gefolgt vom Wunsch, Job- und Privatleben zu trennen. Für 76 Prozent der Befragten ist Work-Life-Balance wichtiger als ihre Karriere.
Das Modell "Work hard, play hard" ist laut Arbeitsmarktkompass in Österreich noch recht verbreitet. Unser Verständnis von Arbeit verändert sich jedoch langsam, aber sicher. Es geht den Beschäftigten heute weniger darum, wie viel Freizeit ihnen nach der Arbeit bleibt, sondern wie sie die Arbeit selbst erleben – etwa ob sie Sinn, Freude, Autonomie und soziale Verbundenheit bietet. Vielleicht geht es künftig weniger darum, Arbeit und Leben gegeneinander aufzurechnen, sondern darum, beides so zu gestalten, dass mehr Raum für das bleibt, was uns guttut. Work smart, live well – vielleicht liegt genau darin die Balance, nach der wir suchen.
Autorin: Mag. Rita Michlits
(1) Blake A. Allan, Cassondra Batz-Barbarich, Haley M. Sterling, Louis Tay: Ergebnisse sinnvoller Arbeit: Eine Metaanalyse, 2018
(2) Gallup: Zustand des globalen Arbeitsplatzes, 2026
(3) OECD: How’s Life?, 2024
(4) Marketagent: arbeitsmarktkompass.at
Eugendorf Silberlocke übergeben
Mit dem Projekt Silberlocke entstand ein regionales Leuchtturmprojekt, das innovative Wohnformen für ältere Menschen fördert und einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Gemeinde Eugendorf leistet. Die BWSG errichtete gemeinsam mit Hillebrand Bau 24 geförderte Mietwohnungen für betreutes Wohnen sowie ein Seniorentageszentrum unter einem Dach. Das Wohnprojekt ermöglicht Senior:innen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden in gewohnter Umgebung bei gleichzeitiger professioneller Betreuung. Betreiber des Tageszentrums ist der Arbeiter-Samariter-Bund Salzburg. Die erfolgreiche Umsetzung basiert auf der engen Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg, der Gemeinde Eugendorf und den Projektpartnern. Das Land Salzburg unterstützt das Projekt mit rund 5,2 Mio. Euro Wohnbauförderung. Die Vergabe erfolgte über die Gemeinde. Am 25. August wurde das Vorzeigeprojekt offiziell an die Mieter:innen übergeben. Autorin: Rita Michlits Alle Fotos: (c) wild
Die Kunst der Ordnung
Ein Zuhause ist weit mehr als ein Ort zum Wohnen. Es ist Rückzugsort, Familienmittelpunkt und Arbeitsplatz zugleich. Wie viel Ordnung Menschen brauchen, um sich darin wohlzufühlen, ist ganz unterschiedlich: Während die einen ein minimalistisches Zuhause bevorzugen, darf es für andere ruhig etwas chaotischer sein. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern eine Wohnumgebung, die Orientierung gibt und den Alltag erleichtert. Zwischen Beruf, Familie und zahlreichen Verpflichtungen fehlt jedoch oft die Zeit oder schlicht die Energie, dauerhaft alles in Ordnung zu halten. Überfüllte Schränke, Papierstapel oder Schubladen, die sich kaum noch schließen lassen, sind häufig sichtbare Zeichen eines fordernden Alltags. Genau hier setzt Desiree Schweiger an. Mit ihrem Unternehmen simply organized hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Ordnungscoach entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund:innen individuelle Lösungen. "Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die sich langfristig in den Alltag und ihre Lebenssituation integrieren lassen", so die Expertin. Für sie beginnt Ordnung deshalb nicht mit dem Aufräumen, sondern mit der Frage, warum Unordnung überhaupt entstanden ist. "Ein Zuhause erzählt viel über das Leben, das dort gerade stattfindet", erklärt sie. "Häufig spiegeln sich darin herausfordernde Lebensphasen, fehlende Routinen oder Veränderungen im Familienalltag wider." Unordnung ist für sie daher kein Zeichen persönlicher Schwäche oder mangelnder ...
Wohnen im Gleichgewicht
Ein Zuhause sollte vieles können: warm sein, wenn es draußen kalt ist, angenehm kühl, wenn der Sommer wieder einmal Überstunden macht, hell genug zum Lesen und gemütlich genug zum Abschalten. Die Waschmaschine soll ihre Arbeit erledigen, während der Stromzähler möglichst ruhig bleibt. Und wenn schon Technik einzieht, dann bitte so, dass sie das Leben einfacher macht – und nicht noch eine zusätzliche Bedienungsanleitung auf den Wohnzimmertisch legt. Kurz gesagt: Wohnen braucht Balance. Der eigentliche Fortschritt besteht also nicht darin, möglichst viele Geräte miteinander zu vernetzen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas herauskommt, was jeder Bewohner spürt: mehr Komfort, weniger Energieverbrauch und ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Wärme mit Maß Beginnen wir also mit einem der größten Energieverbraucher im Haushalt: der Heizung. Gerade hier ist Balance besonders wichtig. Zu kalt ist unangenehm, zu warm kostet unnötig Energie – und manchmal sogar den guten Schlaf. 25 Grad im Schlafzimmer mögen für einen tropischen Urlaub passend sein, für eine erholsame Nacht sind sie meist wenig hilfreich. Moderne Heizsysteme können wesentlich genauer regeln als früher. Raumthermostate, elektronische Heizkörperventile und intelligente Steuerungen passen die Temperatur an die tatsächliche Nutzung an. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, muss die Wohnung schließlich nicht auf Wohlfühltemperatur halten. ...
Zwischen Ordnung und Wildnis
Frau Lo, Sie planen unter anderem Außenanlagen für die Wohnprojekte der BWSG und öffentliche Räume. Welche Überlegungen spielen dabei eine Rolle? Carla Lo: Zu Beginn steht immer die Frage, wer die Freiflächen nutzt und welche Bedürfnisse damit verbunden sind. Wir planen für ältere Personen genauso wie für Kinder und Jugendliche – und jede Gruppe hat andere Ansprüche. Kinder freuen sich über Möglichkeiten zum Herumtoben, Klettern und Entdecken. Ältere Menschen wünschen sich eher ein schattiges Plätzchen, von dem aus sie das Geschehen beobachten können. Ein guter Freiraum schafft es, diese unterschiedlichen Bedürfnisse in einem gemeinsamen Außenraum zusammenzubringen. Das bedeutet, Sie müssen auf eine bedürfnisorientierte Balance bei der Gartengestaltung achten? Ja, die Balance zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Planung: zwischen Nutzungsanreizen und Nutzungsoffenheit, zwischen "ordentlich" und "wild" oder auch zwischen "laut" und "leise". Sie beziehen bei Ihrer Planung von Wohnobjekten – so wie bei unserer Roten Emma – oft auch die Dachflächen mit ein. Sollte jede Dachfläche aktiv von Menschen genutzt werden? Nein, ganz im Gegenteil. Die Aktivierung von Freiräumen ist wichtig, aber nicht jede Fläche muss von Menschen genutzt werden. Ein Teil sollte bewusst der Biodiversität vorbehalten bleiben – als ruhiger, ungestörter Lebensraum für Vögel und Insekten. So ...

