Dysbalance: Wenn das Häferl übergeht
Ein Auszucker, Verlust der Selbstkontrolle, Schaum vor dem Mund: ein Wutausbruch. Wie wir unsere innere Balance bewahren bzw. wiederherstellen können, vermittelt die Psychologin Mag. Beatrice Heissenberger, BA, in ihren Wutcoachings.
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Das Gesicht knallrot, der Herzschlag rast, die Hände zu Fäusten geballt, Flüche, Beschimpfungen, Drohungen, Brüllen und Wüten: Das System "Ich" ist aus dem Gleichgewicht geraten, das sprichwörtliche Häferl ist übergegangen, oft aus scheinbar nichtigem Anlass.
Beatrice Heissenberger, Psychologin mit Praxis in Wien, weiß, wovon sie in ihren Wutcoachings spricht. Sie war selbst von Wutausbrüchen betroffen. Mit ihrer Erfahrung und ihrer Expertise unterstützt sie Wut-Betroffene auf ihrem Weg zu einer gesunden Emotionsregulierung.
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Mag.a Beatrice Heissenberger, BA, studierte unter anderem Psychologie an der Uni Wien, absolvierte zahlreiche Spezialausbildungen, ist heute als Psychologin, Dipl. systemischer Coach sowie Lebens- und Sozialberaterin tätig und leitet Workshops und Seminare. 2024 gründete sie Wutcoaching. Jeweils donnerstags arbeitet sie in einem Atelier in der Hahngasse 22, an den anderen Tagen in einer Praxis in der Alser Straße 30/7, beides im 9. Bezirk in Wien.
Frau Heissenberger, wer kommt zu Ihnen ins Wutcoaching?
Beatrice Heissenberger: Menschen, die merken, dass ihre Wut ihr Leben oder ihre Beziehungen belastet. Besonders häufig begleite ich Menschen, die in einer Partnerschaft heftige Wutausbrüche erleben und Unterstützung suchen, bevor die Beziehung daran zerbricht. Andere erleben ihre Wut vor allem im Alltag – etwa, wenn etwas nicht funktioniert oder ihnen etwas nicht gelingt. Ein weiterer häufiger Grund ist der Wunsch, den eigenen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Manche Eltern erschrecken darüber, wie schnell sie in Gegenwart ihrer Kinder wütend werden. Auch Menschen, die ihre Wut vor allem im beruflichen Umfeld erleben – etwa im Umgang mit Kolleg:innen oder Kund:innen – suchen meine Begleitung. So unterschiedlich die Auslöser sind – sie alle leiden unter ihrer Wut und wünschen sich einen konstruktiven Umgang mit dieser Emotion.
Wann wird Wut problematisch?
Wut ist eine natürliche und wichtige Emotion, die uns darauf aufmerksam macht, dass etwas für uns nicht stimmt – etwa, wenn eine Grenze überschritten wird, wir uns ungerecht behandelt fühlen oder ein wichtiges Bedürfnis unerfüllt bleibt. Entscheidend ist jedoch, wie wir mit dieser Wut umgehen.
Problematisch wird es, wenn die Wut zu impulsivem oder aggressivem Verhalten führt.
Die Emotion selbst ist nicht schädlich. Problematisch wird es, wenn sie zu impulsivem oder aggressivem Verhalten führt. Dazu gehören zum Beispiel Beschimpfungen, Drohungen, körperliche Gewalt oder auch verletzende Worte, die anderen Menschen oder der Beziehung schaden. Manche Menschen richten ihre Wut aber auch gegen sich selbst – etwa durch starke Selbstabwertung oder selbstschädigendes Verhalten. Eine weitere Grenze ist die Intensität der Wut. Wer beispielsweise wegen einer Kleinigkeit die Beherrschung verliert, leidet häufig unter alten Verletzungen oder ungünstigen Verarbeitungsmustern, die durch die aktuelle Situation aktiviert werden.
Was löst Wut aus?
Im Alltag entsteht Wut oft gar nicht durch große Krisen, sondern durch viele kleine Situationen. Wenn unser Gehirn eine Bemerkung oder ein Verhalten als Angriff, Zurückweisung, Ungerechtigkeit oder Bedrohung für den eigenen Selbstwert interpretiert, reagiert der Körper mit Wut. Oft sind es Situationen, die an frühere, emotional sehr intensive Erfahrungen erinnern – häufig aus Kindheit oder Jugend. Das muss den Betroffenen nicht bewusst sein. Das Gehirn erkennt unbewusst Ähnlichkeiten und reagiert so, als wäre die damalige Bedrohung wieder präsent. Dadurch fällt die emotionale Reaktion oft deutlich heftiger aus, als es die aktuelle Situation allein erklären würde.

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3 Tipps gegen den aufkommenden Auszucker
1. Durchatmen: tief durch die Nase einatmen, Atem anhalten ("Halt die Luft an!"), dann langsam durch den Mund ausatmen, zwei- oder dreimal wiederholen.
2. Stopptaste drücken: laut oder leise zu sich selbst Stopp sagen und damit die Wutspirale stoppen.
3. Auszeit nehmen: wenn möglich den Raum oder die Situation kurz verlassen und erst wiederkommen, wenn die Emotion wieder unter Kontrolle ist.
Was tun, wenn Wut aufkommt?
Das Wichtigste ist, möglichst früh zu erkennen, dass Wut aufsteigt. Je stärker die emotionale Erregung wird, desto eingeschränkter wird unsere Fähigkeit, klar zu denken und bewusst zu handeln. Befindet sich die Wut noch im Anfangsstadium, kann man meist noch gut gegensteuern. Hilfreich ist es, bewusst langsamer und tiefer zu atmen, die eigenen Gedanken wahrzunehmen und sich z. B. zu fragen: "Was genau hat mich gerade getroffen?" Schon diese kurze Pause kann verhindern, dass wir impulsiv reagieren. Hat die Wut jedoch bereits die Kontrolle übernommen, ist es oft sinnvoll, die Situation zunächst zu verlassen – innerlich einen Schritt zurückzutreten und sich bewusst zu machen: "Ich muss jetzt nicht sofort reagieren."
Das Wichtigste ist, möglichst früh zu erkennen, dass Wut aufsteigt.
Manchmal ist es aber auch die beste Lösung, den Raum für einige Minuten zu verlassen, bis sich das Nervensystem wieder beruhigt hat. Wichtig ist dabei, dem oder der anderen mitzuteilen, dass man zurückkommt – nicht, um dem Konflikt auszuweichen, sondern um ihn später konstruktiv lösen zu können. Ein besonders wirksames Werkzeug ist die Atmung. Eine ruhige, tiefe Bauchatmung aktiviert jenen Teil unseres Nervensystems, der für Beruhigung und Regeneration zuständig ist. Dadurch sinkt die körperliche Anspannung und wir gewinnen wieder mehr Kontrolle über unser Verhalten. In einer akuten Wutsituation fällt uns das allerdings nur dann leicht, wenn wir diese Technik bereits geübt haben. Deshalb ist regelmäßiges Training ein wichtiger Bestandteil des Wutcoachings.
Wie kann man Wut langfristig unter Kontrolle bekommen?
Langfristig geht es nicht darum, Wut zu unterdrücken, sondern sie besser zu verstehen und bewusst steuern zu können. Der erste Schritt ist deshalb immer, die eigenen Reaktionsmuster kennenzulernen. Viele Menschen erleben ihre Wut wie einen Schalter, der plötzlich umgelegt wird. Tatsächlich kündigt sie sich jedoch meist schon früher an – durch körperliche Signale, Gedanken oder innere Bilder. Ein weiterer wichtiger Schritt ist herauszufinden, welche Gefühle und Bedürfnisse sich hinter der Wut verbergen. Gleichzeitig entwickeln wir ganz konkrete Strategien für den Alltag. Ziel ist, dass neue Reaktionsmöglichkeiten nicht nur in der Coachingstunde funktionieren, sondern auch in herausfordernden Alltagssituationen. Langfristige Wutregulation bedeutet, die Freiheit zurückzugewinnen, bewusst zu entscheiden, wie ich auf eine Situation reagieren möchte – anstatt von Wut gesteuert zu werden.
Was, wenn es zu einem Rückfall kommt?
Ich spreche bewusst nicht von "Rückfall", weil dieses Wort bei vielen Menschen das Gefühl auslöst, gescheitert zu sein. Entscheidend ist, zu verstehen, dass das bisherige Reaktionsmuster oft über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte entstanden ist. Es ist möglich, diese Muster zu verändern, aber das braucht Zeit und Übung. Ein Wutausbruch bedeutet nicht, dass die Arbeit an der Wut wirkungslos war. Viel wichtiger ist, den Moment gemeinsam zu verstehen, daraus zu lernen und das neue Verhalten immer wieder zu üben. Mit der Zeit werden die neuen Reaktionsmuster vertrauter und die alten verlieren zunehmend an Einfluss.
Autor: Dr. Wolfgang Wildner
Eugendorf Silberlocke übergeben
Mit dem Projekt Silberlocke entstand ein regionales Leuchtturmprojekt, das innovative Wohnformen für ältere Menschen fördert und einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Gemeinde Eugendorf leistet. Die BWSG errichtete gemeinsam mit Hillebrand Bau 24 geförderte Mietwohnungen für betreutes Wohnen sowie ein Seniorentageszentrum unter einem Dach. Das Wohnprojekt ermöglicht Senior:innen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden in gewohnter Umgebung bei gleichzeitiger professioneller Betreuung. Betreiber des Tageszentrums ist der Arbeiter-Samariter-Bund Salzburg. Die erfolgreiche Umsetzung basiert auf der engen Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg, der Gemeinde Eugendorf und den Projektpartnern. Das Land Salzburg unterstützt das Projekt mit rund 5,2 Mio. Euro Wohnbauförderung. Die Vergabe erfolgte über die Gemeinde. Am 25. August wurde das Vorzeigeprojekt offiziell an die Mieter:innen übergeben. Autorin: Rita Michlits Alle Fotos: (c) wild
Die Kunst der Ordnung
Ein Zuhause ist weit mehr als ein Ort zum Wohnen. Es ist Rückzugsort, Familienmittelpunkt und Arbeitsplatz zugleich. Wie viel Ordnung Menschen brauchen, um sich darin wohlzufühlen, ist ganz unterschiedlich: Während die einen ein minimalistisches Zuhause bevorzugen, darf es für andere ruhig etwas chaotischer sein. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern eine Wohnumgebung, die Orientierung gibt und den Alltag erleichtert. Zwischen Beruf, Familie und zahlreichen Verpflichtungen fehlt jedoch oft die Zeit oder schlicht die Energie, dauerhaft alles in Ordnung zu halten. Überfüllte Schränke, Papierstapel oder Schubladen, die sich kaum noch schließen lassen, sind häufig sichtbare Zeichen eines fordernden Alltags. Genau hier setzt Desiree Schweiger an. Mit ihrem Unternehmen simply organized hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Ordnungscoach entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund:innen individuelle Lösungen. "Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die sich langfristig in den Alltag und ihre Lebenssituation integrieren lassen", so die Expertin. Für sie beginnt Ordnung deshalb nicht mit dem Aufräumen, sondern mit der Frage, warum Unordnung überhaupt entstanden ist. "Ein Zuhause erzählt viel über das Leben, das dort gerade stattfindet", erklärt sie. "Häufig spiegeln sich darin herausfordernde Lebensphasen, fehlende Routinen oder Veränderungen im Familienalltag wider." Unordnung ist für sie daher kein Zeichen persönlicher Schwäche oder mangelnder ...
Wohnen im Gleichgewicht
Ein Zuhause sollte vieles können: warm sein, wenn es draußen kalt ist, angenehm kühl, wenn der Sommer wieder einmal Überstunden macht, hell genug zum Lesen und gemütlich genug zum Abschalten. Die Waschmaschine soll ihre Arbeit erledigen, während der Stromzähler möglichst ruhig bleibt. Und wenn schon Technik einzieht, dann bitte so, dass sie das Leben einfacher macht – und nicht noch eine zusätzliche Bedienungsanleitung auf den Wohnzimmertisch legt. Kurz gesagt: Wohnen braucht Balance. Der eigentliche Fortschritt besteht also nicht darin, möglichst viele Geräte miteinander zu vernetzen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas herauskommt, was jeder Bewohner spürt: mehr Komfort, weniger Energieverbrauch und ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Wärme mit Maß Beginnen wir also mit einem der größten Energieverbraucher im Haushalt: der Heizung. Gerade hier ist Balance besonders wichtig. Zu kalt ist unangenehm, zu warm kostet unnötig Energie – und manchmal sogar den guten Schlaf. 25 Grad im Schlafzimmer mögen für einen tropischen Urlaub passend sein, für eine erholsame Nacht sind sie meist wenig hilfreich. Moderne Heizsysteme können wesentlich genauer regeln als früher. Raumthermostate, elektronische Heizkörperventile und intelligente Steuerungen passen die Temperatur an die tatsächliche Nutzung an. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, muss die Wohnung schließlich nicht auf Wohlfühltemperatur halten. ...
Zwischen Ordnung und Wildnis
Frau Lo, Sie planen unter anderem Außenanlagen für die Wohnprojekte der BWSG und öffentliche Räume. Welche Überlegungen spielen dabei eine Rolle? Carla Lo: Zu Beginn steht immer die Frage, wer die Freiflächen nutzt und welche Bedürfnisse damit verbunden sind. Wir planen für ältere Personen genauso wie für Kinder und Jugendliche – und jede Gruppe hat andere Ansprüche. Kinder freuen sich über Möglichkeiten zum Herumtoben, Klettern und Entdecken. Ältere Menschen wünschen sich eher ein schattiges Plätzchen, von dem aus sie das Geschehen beobachten können. Ein guter Freiraum schafft es, diese unterschiedlichen Bedürfnisse in einem gemeinsamen Außenraum zusammenzubringen. Das bedeutet, Sie müssen auf eine bedürfnisorientierte Balance bei der Gartengestaltung achten? Ja, die Balance zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Planung: zwischen Nutzungsanreizen und Nutzungsoffenheit, zwischen "ordentlich" und "wild" oder auch zwischen "laut" und "leise". Sie beziehen bei Ihrer Planung von Wohnobjekten – so wie bei unserer Roten Emma – oft auch die Dachflächen mit ein. Sollte jede Dachfläche aktiv von Menschen genutzt werden? Nein, ganz im Gegenteil. Die Aktivierung von Freiräumen ist wichtig, aber nicht jede Fläche muss von Menschen genutzt werden. Ein Teil sollte bewusst der Biodiversität vorbehalten bleiben – als ruhiger, ungestörter Lebensraum für Vögel und Insekten. So ...
