Wohnen im Gleichgewicht

Zwischen Wohlfühltemperatur und Stromrechnung, smarten Helfern und gesundem Raumklima liegt die Kunst des modernen Wohnens oft darin, das richtige Maß zu finden.

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Ein Zuhause sollte vieles können: warm sein, wenn es draußen kalt ist, angenehm kühl, wenn der Sommer wieder einmal Überstunden macht, hell genug zum Lesen und gemütlich genug zum Abschalten. Die Waschmaschine soll ihre Arbeit erledigen, während der Stromzähler möglichst ruhig bleibt. Und wenn schon Technik einzieht, dann bitte so, dass sie das Leben einfacher macht – und nicht noch eine zusätzliche Bedienungsanleitung auf den Wohnzimmertisch legt. Kurz gesagt: Wohnen braucht Balance.

Der eigentliche Fortschritt besteht also nicht darin, möglichst viele Geräte miteinander zu vernetzen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas herauskommt, was jeder Bewohner spürt: mehr Komfort, weniger Energieverbrauch und ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt.

Wärme mit Maß

Beginnen wir also mit einem der größten Energieverbraucher im Haushalt: der Heizung. Gerade hier ist Balance besonders wichtig. Zu kalt ist unangenehm, zu warm kostet unnötig Energie – und manchmal sogar den guten Schlaf. 25 Grad im Schlafzimmer mögen für einen tropischen Urlaub passend sein, für eine erholsame Nacht sind sie meist wenig hilfreich.

Moderne Heizsysteme können wesentlich genauer regeln als früher. Raumthermostate, elektronische Heizkörperventile und intelligente Steuerungen passen die Temperatur an die tatsächliche Nutzung an. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, muss die Wohnung schließlich nicht auf Wohlfühltemperatur halten. Abends, wenn alle nach Hause kommen, darf es aber ruhig wieder angenehm warm werden. 

Dabei muss "smart" nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine App für alles zuständig ist. Schon einfach programmierbare Thermostate können viel bewirken. Noch komfortabler wird es freilich, wenn Heizungssteuerung, Fensterkontakte und Raumtemperatur zusammenspielen. Wird ein Fenster geöffnet, kann die Heizung automatisch reagieren und abregeln, statt munter gegen die kalte Außenluft anzukämpfen. Das ist nicht nur clever, sondern verhindert auch, dass zum Fenster hinausgeheizt wird.

Einatmen, ausatmen – und richtig lüften

Zur Balance gehört allerdings nicht nur die richtige Temperatur. Auch die Luft in der Wohnung hat ihren eigenen Wohlfühlbereich. Zu trockene Raumluft kann unangenehm sein, zu hohe Luftfeuchtigkeit wiederum schafft Bedingungen, unter denen Schimmel zum ungebetenen Mitbewohner werden kann. Besonders im Winter ist deshalb richtiges Lüften wichtig.

Ein simples Hygrometer um wenige Euro kann dabei bereits erstaunlich viel helfen. Es zeigt, wann die Luftfeuchtigkeit aus dem optimalen Bereich läuft. Noch einen Schritt weiter gehen kontrollierte Lüftungssysteme. Sie führen verbrauchte Luft ab und bringen frische Luft ins Haus oder in die Wohnung, ohne dass ständig die Fenster geöffnet werden müssen. Je nach System lässt sich dabei sogar Wärme zurückgewinnen. 

Licht ist mehr als nur Helligkeit

 

Auch Licht ist eine Frage der Balance. Tagsüber wünschen wir uns möglichst viel natürliches Licht. Abends darf es dagegen gerne etwas ruhiger werden. Unser Körper reagiert schließlich nicht nur auf die Helligkeit, sondern auch auf die Lichtfarbe.

Moderne LED-Beleuchtung kann dabei weit mehr als einfach nur "an" und "aus". Unterschiedliche Lichtfarben und Helligkeiten lassen sich an Tageszeit und Nutzung anpassen. Morgens darf das Licht aktivierend wirken (mehr Blauanteil), am Abend wird es wärmer und gedämpfter (mehr Rotanteil).

Smarte Beleuchtung kann solche Szenarien automatisch übernehmen. Das Licht im Wohnzimmer wird gemütlich, während die Küche zum Kochen hell bleibt. Im Flur geht die Beleuchtung nur so lange an, wie jemand unterwegs ist. Und wer nachts zur Toilette muss, muss sich nicht mit einer Deckenlampe die komplette Nachtruhe aus den Augen blitzen lassen.

Wenn Hausgeräte mitdenken

Auch Waschmaschine, Geschirrspüler und Backofen sind längst keine rein mechanischen Arbeitskräfte mehr. Moderne Haushaltsgeräte können Wasser- und Energieverbrauch an die Beladung anpassen, Programme optimieren oder den Betrieb auf besonders effiziente Zeiten verschieben. Eco-Programme dauern zwar manchmal länger, verbrauchen dafür aber häufig weniger Energie und Wasser.

Das klingt zunächst paradox: Wie kann ein längeres Programm sparsamer sein? Ganz einfach: indem weniger Energie auf einmal eingesetzt wird. Eine Waschmaschine muss nicht mit maximaler Temperatur und voller Kraft voraus arbeiten, wenn auch ein längerer, schonender Waschgang zum Ziel führt. Der meiste Energieverbrauch einer Waschmaschine geht nämlich für das Erhitzen des Wassers drauf.

Eco-Programme dauern zwar manchmal länger, verbrauchen dafür aber häufig weniger Energie und Wasser.

Vielleicht liegt genau darin die schönste Form von Smart Home: Man merkt gar nicht ständig, dass das Zuhause intelligent ist. Man merkt nur, dass es funktioniert. (c) StockPhotoPro/Adobe Stock

Strom sparen, ohne im Dunkeln zu sitzen

Energiesparen hat inzwischen einen festen Platz im Alltag. Doch zwischen vernünftigem Verbrauch und ständigem Verzicht liegt ebenfalls eine wichtige Balance. Niemand möchte abends im Dunkeln sitzen, nur um zwei Watt einzusparen. Viel sinnvoller ist es, dort anzusetzen, wo Energie tatsächlich in größeren Mengen verbraucht wird.

Heizung, Warmwasser und Haushaltsgeräte bieten deutlich mehr Potenzial als die Suche nach jedem einzelnen Stand-by-Verbraucher. Trotzdem können smarte Steckdosen und Energiemessgeräte interessant sein. Sie zeigen, welche Geräte tatsächlich wie viel Strom benötigen und wo sich Gewohnheiten ändern lassen – ohne auf Komfort zu verzichten.

Das Smart Home muss nicht alles wissen

Bei aller Begeisterung für vernetzte Technik gibt es eine Grenze: Nicht jeder Bewohner möchte seine Wohnung in eine Kommandozentrale verwandeln. Ein Smart Home sollte deshalb nicht zum Selbstzweck werden.

Wer für das Einschalten einer Lampe zuerst das Smartphone entsperren, die richtige App finden und drei Menüs durchqueren muss, hat möglicherweise eine sehr intelligente Lampe – aber ein ziemlich dummes Bedienkonzept. Die beste Lösung ist daher häufig eine Kombination aus Automatik und klassischer Bedienung. Das Licht darf automatisch angehen, wenn jemand den Raum betritt. Ein Schalter sollte trotzdem funktionieren. Die Heizung darf sich an den Tagesablauf anpassen. Wer spontan eine andere Temperatur möchte, sollte aber nicht erst einen IT-Kurs absolvieren müssen.

Und natürlich spielt auch der Datenschutz eine Rolle. Je stärker das Zuhause vernetzt ist, desto mehr Daten können anfallen. Wer Bewegungen, Temperaturen, Anwesenheit oder Energieverbrauch erfasst, sollte wissen, wo diese Informationen gespeichert werden und wer darauf zugreifen kann. Smart heißt schließlich nicht automatisch sorglos. 

Die eigentliche Komfortzone

Am Ende geht es beim modernen Wohnen gar nicht darum, möglichst viel Technik einzubauen. Es geht um die richtige Technik am richtigen Ort.

Ein Thermostat, das unnötiges Heizen verhindert. Ein Sensor, der vor zu hoher Luftfeuchtigkeit warnt. Licht, das sich dem Tagesablauf anpasst. Ein Geschirrspüler, der Wasser spart. Eine Waschmaschine, die ihren Verbrauch an die Beladung anpasst. Eine Photovoltaikanlage, deren Strom möglichst direkt im Haushalt genutzt wird.

Jedes einzelne System ist für sich genommen nur ein kleines Puzzleteil. Zusammengenommen können sie den Alltag spürbar angenehmer machen. Und vielleicht liegt genau darin die schönste Form von Smart Home: Man merkt gar nicht ständig, dass das Zuhause intelligent ist. Man merkt nur, dass es funktioniert.

Denn Balance bedeutet nicht, auf Komfort zu verzichten. Und auch nicht, möglichst viel Technik um jeden Preis einzusetzen. Es geht darum, beides zusammenzubringen: Energie sparen, ohne Lebensqualität einzusparen. Komfort genießen, ohne Ressourcen zu verschwenden. Technik nutzen, ohne von ihr abhängig zu werden.

Oder kurz gesagt: Das Zuhause darf ruhig smart sein. Hauptsache, seine Bewohner:innen bleiben die wirklichen Chefs im eigenen Haus.

 

Autor: Christian Lanner

Eugendorf Silberlocke übergeben

Mit dem Projekt Silberlocke entstand ein regionales Leuchtturmprojekt, das innovative Wohnformen für ältere Menschen fördert und einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Gemeinde Eugendorf leistet. Die BWSG errichtete gemeinsam mit Hillebrand Bau 24 geförderte Mietwohnungen für betreutes Wohnen sowie ein Seniorentageszentrum unter einem Dach. Das Wohnprojekt ermöglicht Senior:innen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden in gewohnter Umgebung bei gleichzeitiger professioneller Betreuung. Betreiber des Tageszentrums ist der Arbeiter-Samariter-Bund Salzburg. Die erfolgreiche Umsetzung basiert auf der engen Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg, der Gemeinde Eugendorf und den Projektpartnern. Das Land Salzburg unterstützt das Projekt mit rund 5,2 Mio. Euro Wohnbauförderung. Die Vergabe erfolgte über die Gemeinde. Am 25. August wurde das Vorzeigeprojekt offiziell an die Mieter:innen übergeben. Autorin: Rita Michlits Alle Fotos: (c) wild  

Die Kunst der Ordnung

Ein Zuhause ist weit mehr als ein Ort zum Wohnen. Es ist Rückzugsort, Familienmittelpunkt und Arbeitsplatz zugleich. Wie viel Ordnung Menschen brauchen, um sich darin wohlzufühlen, ist ganz unterschiedlich: Während die einen ein minimalistisches Zuhause bevorzugen, darf es für andere ruhig etwas chaotischer sein. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern eine Wohnumgebung, die Orientierung gibt und den Alltag erleichtert. Zwischen Beruf, Familie und zahlreichen Verpflichtungen fehlt jedoch oft die Zeit oder schlicht die Energie, dauerhaft alles in Ordnung zu halten. Überfüllte Schränke, Papierstapel oder Schubladen, die sich kaum noch schließen lassen, sind häufig sichtbare Zeichen eines fordernden Alltags. Genau hier setzt Desiree Schweiger an. Mit ihrem Unternehmen simply organized hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Ordnungscoach entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund:innen individuelle Lösungen. "Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die sich langfristig in den Alltag und ihre Lebenssituation integrieren lassen", so die Expertin. Für sie beginnt Ordnung deshalb nicht mit dem Aufräumen, sondern mit der Frage, warum Unordnung überhaupt entstanden ist. "Ein Zuhause erzählt viel über das Leben, das dort gerade stattfindet", erklärt sie. "Häufig spiegeln sich darin herausfordernde Lebensphasen, fehlende Routinen oder Veränderungen im Familienalltag wider." Unordnung ist für sie daher kein Zeichen persönlicher Schwäche oder mangelnder ...

Zwischen Ordnung und Wildnis

Frau Lo, Sie planen unter anderem Außenanlagen für die Wohnprojekte der BWSG und öffentliche Räume. Welche Überlegungen spielen dabei eine Rolle? Carla Lo: Zu Beginn steht immer die Frage, wer die Freiflächen nutzt und welche Bedürfnisse damit verbunden sind. Wir planen für ältere Personen genauso wie für Kinder und Jugendliche – und jede Gruppe hat andere Ansprüche. Kinder freuen sich über Möglichkeiten zum Herumtoben, Klettern und Entdecken. Ältere Menschen wünschen sich eher ein schattiges Plätzchen, von dem aus sie das Geschehen beobachten können. Ein guter Freiraum schafft es, diese unterschiedlichen Bedürfnisse in einem gemeinsamen Außenraum zusammenzubringen. Das bedeutet, Sie müssen auf eine bedürfnisorientierte Balance bei der Gartengestaltung achten? Ja, die Balance zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Planung: zwischen Nutzungsanreizen und Nutzungsoffenheit, zwischen "ordentlich" und "wild" oder auch zwischen "laut" und "leise". Sie beziehen bei Ihrer Planung von Wohnobjekten – so wie bei unserer Roten Emma – oft auch die Dachflächen mit ein. Sollte jede Dachfläche aktiv von Menschen genutzt werden? Nein, ganz im Gegenteil. Die Aktivierung von Freiräumen ist wichtig, aber nicht jede Fläche muss von Menschen genutzt werden. Ein Teil sollte bewusst der Biodiversität vorbehalten bleiben – als ruhiger, ungestörter Lebensraum für Vögel und Insekten. So ...

Mehr als ein Vogel auf dem Drahtseil

Wer ein Kind auf einem Randstein balancieren sieht, erinnert sich vielleicht an die eigene Kindheit zurück. Balancieren um seiner selbst willen, einfach, weil es Spaß macht, ohne das Trainieren seines Gleichgewichtssinns im Kopf zu haben. Denn genau das passiert: Ein Kind trainiert beim Balancieren und den meisten anderen Bewegungsspielen seinen Gleichgewichtssinn – erst unbewusst, später viel bewusster, wie eine Studie von Andrea Frick und Wenke Möhring an der Universität Bern zeigte. Die Forscherinnen untersuchten den Einbeinstand als Indikator für die motorische Kontrolle von Sechsjährigen und zeigten auf, wie sich die Balancefähigkeiten in der Kindheit entwickeln und dass diese mit anderen kognitiven Fähigkeiten zusammenhängen. Balanceübungen sind für weitaus mehr Fähigkeiten wichtig als vermutet. Balanceübungen sind für weitaus mehr Fähigkeiten wichtig als vermutet, denn es wird auch die Kommunikation von drei Sinnesorganen im Körper trainiert: das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen und die Sinneszellen in den Muskeln. Das macht es z. B. möglich, ein Bein anzuheben, ohne nachzudenken. Beim Sport wirkt sich eine gute Balance auf die Leistung aus: Läufer:innen können ihre Kraft effizienter einsetzen und Skifahrer: innen bewegen sich sicherer auf unebenem Gelände. Im Prinzip profitiert jede Sportart von einer guten Gleichgewichtsfähigkeit und Körper und Geist gleich mit dazu. Die Happy-together-Redaktion ...

Ausgabe #14: Balance zum Durchblättern

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