Zwei Projekte, ein Ziel: Leistbares Wohnen mit Mehrwert

Geförderte Mietwohnungen und vielfältige soziokulturelle Angebote beleben die Grätzl in Kagran und im dritten Wiener Gemeindebezirk.

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Am Dachgarten des BWSG-Wohnhauses Bella Vista: BWSG-Projektleiter Daniel Comploier, Hugo Haunold (Techn. Leiter Voitl), BWSG-Vorständin Kerstin Robausch-Löffelmann, Architektin Regina Freimüller-Söllinger, BWSG-Vorstand Mathias Moser und Markus Wagenhofer (Bauleiter, Voitl)

Nomen est omen: Auf dem Dach des Wohnprojekts Bella Vista sieht man bis zum Leopoldsberg. Im Bild (v. l.): BWSG-Projektleiter Daniel Comploier, Hugo Haunold (Techn. Leiter Voitl), BWSG-Vorständin Kerstin Robausch-Löffelmann, Architektin Regina Freimüller-Söllinger, BWSG-Vorstand Mathias Moser und Markus Wagenhofer (Bauleiter, Voitl) (c) Sabine Klimpt

Der Frühling 2026 brachte nicht nur neues Leben in die Natur, sondern auch in zwei große Wohnprojekte der BWS-Gruppe: Mit der "Roten Emma" in Wien-Donaustadt und "Bella Vista" im Stadtquartier Village im Dritten wurden über 460 leistbare Wohnungen fertiggestellt und an ihre neuen Bewohner:innen übergeben. Zwei Projekte, die eindrucksvoll verdeutlichen, wie vielfältig, nachhaltig und gemeinschaftsorientiert moderner Wohnbau heute gedacht wird.

Der Bedarf an leistbarem Wohnraum ist in einer wachsenden Metropole wie Wien sehr groß: Im geförderten Mietsegment entstehen jährlich 6.000 bis 7.000 neue Wohnungen. Die Stadt unterstützt den sozialen Wohnbau über das Wiener Wohnbaumodell u. a. mit Bauträgerwettbewerben und dem Bau von Gemeindewohnungen.

Ein neues Stück Stadt in Kagran: die "Rote Emma"

Im Herzen von Kagran ist mit dem Wohnprojekt "Rote Emma" ein lebendiges Quartier entstanden, das weit über reinen Wohnbau hinausgeht. Gemeinsam mit dem Projektpartner migra hat die gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft BWS hier 360 geförderte Mietwohnungen realisiert – ergänzt durch ein breites Angebot an sozialen, kulturellen und nachbarschaftlichen Einrichtungen. 191 Wohnungen entfallen auf die BWS.

"Das Wiener Modell des geförderten Wohnbaus und der damit verbundenen leistbaren Mieten dient europaweit als Vorbild. Projekte wie die Rote Emma schaffen leistbaren Wohnraum und stärken gleichzeitig das soziale Miteinander im Grätzl", sagte Kathrin Gaál, scheidende Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin bei der offiziellen Übergabe am 17. März 2026. "Mit den vielen Initiativen, die hier Platz finden – wie dem Frauenprojekt ro*sa, der Gebietsbetreuung Stadterneuerung und vielem mehr – wird soziale Verantwortung hier zur gelebten Realität."

"Die Donaustadt wächst stark, der Bedarf an leistbarem Wohnraum ist groß. Mit der Roten Emma entsteht hier in Kagran ein neues Stück Stadt, das Wohnen, soziale Angebote und Begegnung miteinander verbindet. Das stärkt die Lebensqualität im Bezirk nachhaltig", ergänzte Ernst Nevrivy, Bezirksvorsteher der Donaustadt.

Auf gute Nachbarschaft

Ein lebendiges Grätzlleben für Jung und Alt soll hier entstehen: In die Erdgeschosszone auf Bauplatz 2 in der Attemsgasse 38 zog eine lokale Volkshochschule als Ort der Begegnung ein. Ein Grätzlconcierge der Volkshilfe, ein Kindergarten der Kinderfreunde, die Gebietsbetreuung Stadterneuerung sowie die Initiative LOK (Leben ohne Krankenhaus) und ein soziokultureller Treffpunkt haben hier ihre neuen Standorte. In den vier Bauteilen stehen den Bewohner:innen vielfältige Gemeinschaftsräume und Arbeitszimmer zur Verfügung. Zur besseren Orientierung tragen sie die Namen Emmalie, Viola, Annabelle und Marabel.

Auf Bauplatz 1 in der Donaufelder Straße 200 wurde mit dem Frauenwohnprojekt ro*sa ein innovatives, frauenpolitisches Wohnmodell mit 44 Einheiten umgesetzt. Mit einer Filiale von Spar ist die Nahversorgung vor Ort gesichert.

"Mit der Roten Emma zeigen wir, wie innovative Bauweisen, ökologische Verantwortung und leistbarer Wohnraum erfolgreich zusammengehen können. Gleichzeitig schaffen wir Räume, die das Zusammenleben im Stadtteil aktiv fördern", so die BWSG-Vorständin Arch. DI Kerstin Robausch-Löffelmann. BWSG-Vorstand Dr. Mathias Moser weiter: "Insgesamt haben migra und BWS rund 90 Mio. Euro investiert, davon stammen etwa 35 Mio. Euro aus den Wohnbaufördermitteln der Stadt Wien. Durch die klimaschonende Bauweise und den breiten Nutzungsmix leisten migra und BWS einen aktiven Beitrag zur Belebung des Stadtteils."

Die Holzhybrid-Konstruktion zählt zu den ersten großvolumigen Wohnhausprojekten dieser Art in Österreich. Für die Planung der Roten Emma zeichnen die Architekturbüros Gerner Gerner Plus und AllesWirdGut verantwortlich. Als Generalunternehmer fungierte Strabag. Durch die gleichbleibenden Produktionsbedingungen in der industriellen Vorfertigung von Stahlbeton- und Holzmodulen konnten Prozesse und Energiebedarf optimiert, sprich CO2 reduziert werden.

Urban Gardening, Photovoltaik, thermische Bauteilaktivierung und begrünte Balkone veranschaulichen, wie sich modernes Wohnen mit ökologische Verantwortung verbinden lässt. Auf den Dachflächen entstehen Rückzugsorte mit Pergolen, gemeinschaftlich nutzbaren Gartenbereichen und PV-Anlagen, die Strom für Allgemeinflächen liefern. Neben großzügigen Fahrradabstellflächen und einer gemeinsamen Tiefgarage mit 167 Pkw-Stellplätzen im Bauplatz 2 (Attemsgasse 38) setzen die Projektpartner auch auf neue Mobilitätsformen: Über die Mobilitätsservices von MO.Point können Lastenräder, E-Autos und E-Fahrräder gebucht werden.

"Bella Vista": Wohnen mit Ausblick und Gemeinschaft

Nur wenige Wochen nach der Übergabe der Roten Emma folgte mit "Bella Vista" im dritten Wiener Gemeindebezirk die nächste erfolgreiche Übergabe: 104 geförderte Wohnungen und 13 Geschäftslokale bereichern nun das aufstrebende Stadtquartier Village im Dritten. Rund die Hälfte der Wohnungen wurden als kompakte Smart-Wohnungen umgesetzt – ein zeitgemäßes Angebot für unterschiedliche Lebensmodelle.

Auch hier prägt ein aktives Miteinander den Alltag der Bewohner:innen: Gemeinschaftsräume, Lern- und Arbeitsplätze sowie ein eigener Spielplatz über der Erdgeschosszone fördern das Zusammenleben der Bewohner:innen. Neue Wohnformen wie die generationenübergreifende Initiative Sollvill oder Projekte für Alleinerzieher:innen machen die Vielfalt zeitgemäßer Wohnformen sichtbar. 21 Wohnungen wurden über den Verein Juno an Einelternfamilien vergeben.

Dialog zwischen innen und außen

"Die Architektur versteht sich als vermittelnde Schnittstelle zwischen privatem Rückzug und öffentlichem Leben. Durchlässige Ränder, fließende Übergänge und eine großzügig öffenbare Faltfassade schaffen eine starke Beziehung zwischen Innen- und Außenraum und aktivieren den Dialog mit dem umliegenden Stadtraum", erklärt Arch. DI Regina Freimüller-Söllinger das architektonische Konzept.

Auch in der "Schönen Aussicht" spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle: Photovoltaik, Erdwärme, Regenwassernutzung und urbane Gartenangebote wie ein Gemüsedeck oder die Möglichkeit, einen Bienenstock zu betreuen, bringen ökologische Verantwortung in den Alltag der Bewohner:innen. Großzügige Freiflächen, begrünte Dächer und Fassaden schaffen ein angenehmes Mikroklima. Das Quartier ist weitgehend autofrei. Ein rund zwei Hektar großer Park im Quartier lädt zum Verweilen ein.
Ob in der lebendigen Nachbarschaft der Roten Emma oder im grünen Quartier von Bella Vista: Beide Projekte stehen für ein Wohnen, das verbindet – Menschen miteinander, den Alltag mit der Umwelt und die Stadt mit ihren Bewohner:innen. So entstehen nicht nur neue Wohnungen, sondern Orte, an denen Gemeinschaft wachsen kann.

Autorin: Mag. Rita Michlits

Eugendorf Silberlocke übergeben

Mit dem Projekt Silberlocke entstand ein regionales Leuchtturmprojekt, das innovative Wohnformen für ältere Menschen fördert und einen wichtigen Beitrag zur sozialen Infrastruktur der Gemeinde Eugendorf leistet. Die BWSG errichtete gemeinsam mit Hillebrand Bau 24 geförderte Mietwohnungen für betreutes Wohnen sowie ein Seniorentageszentrum unter einem Dach. Das Wohnprojekt ermöglicht Senior:innen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden in gewohnter Umgebung bei gleichzeitiger professioneller Betreuung. Betreiber des Tageszentrums ist der Arbeiter-Samariter-Bund Salzburg. Die erfolgreiche Umsetzung basiert auf der engen Zusammenarbeit mit dem Land Salzburg, der Gemeinde Eugendorf und den Projektpartnern. Das Land Salzburg unterstützt das Projekt mit rund 5,2 Mio. Euro Wohnbauförderung. Die Vergabe erfolgte über die Gemeinde. Am 25. August wurde das Vorzeigeprojekt offiziell an die Mieter:innen übergeben. Autorin: Rita Michlits Alle Fotos: (c) wild  

Die Kunst der Ordnung

Ein Zuhause ist weit mehr als ein Ort zum Wohnen. Es ist Rückzugsort, Familienmittelpunkt und Arbeitsplatz zugleich. Wie viel Ordnung Menschen brauchen, um sich darin wohlzufühlen, ist ganz unterschiedlich: Während die einen ein minimalistisches Zuhause bevorzugen, darf es für andere ruhig etwas chaotischer sein. Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern eine Wohnumgebung, die Orientierung gibt und den Alltag erleichtert. Zwischen Beruf, Familie und zahlreichen Verpflichtungen fehlt jedoch oft die Zeit oder schlicht die Energie, dauerhaft alles in Ordnung zu halten. Überfüllte Schränke, Papierstapel oder Schubladen, die sich kaum noch schließen lassen, sind häufig sichtbare Zeichen eines fordernden Alltags. Genau hier setzt Desiree Schweiger an. Mit ihrem Unternehmen simply organized hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Ordnungscoach entwickelt sie gemeinsam mit ihren Kund:innen individuelle Lösungen. "Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die sich langfristig in den Alltag und ihre Lebenssituation integrieren lassen", so die Expertin. Für sie beginnt Ordnung deshalb nicht mit dem Aufräumen, sondern mit der Frage, warum Unordnung überhaupt entstanden ist. "Ein Zuhause erzählt viel über das Leben, das dort gerade stattfindet", erklärt sie. "Häufig spiegeln sich darin herausfordernde Lebensphasen, fehlende Routinen oder Veränderungen im Familienalltag wider." Unordnung ist für sie daher kein Zeichen persönlicher Schwäche oder mangelnder ...

Wohnen im Gleichgewicht

Ein Zuhause sollte vieles können: warm sein, wenn es draußen kalt ist, angenehm kühl, wenn der Sommer wieder einmal Überstunden macht, hell genug zum Lesen und gemütlich genug zum Abschalten. Die Waschmaschine soll ihre Arbeit erledigen, während der Stromzähler möglichst ruhig bleibt. Und wenn schon Technik einzieht, dann bitte so, dass sie das Leben einfacher macht – und nicht noch eine zusätzliche Bedienungsanleitung auf den Wohnzimmertisch legt. Kurz gesagt: Wohnen braucht Balance. Der eigentliche Fortschritt besteht also nicht darin, möglichst viele Geräte miteinander zu vernetzen. Entscheidend ist, dass am Ende etwas herauskommt, was jeder Bewohner spürt: mehr Komfort, weniger Energieverbrauch und ein Zuhause, in dem man sich wohlfühlt. Wärme mit Maß Beginnen wir also mit einem der größten Energieverbraucher im Haushalt: der Heizung. Gerade hier ist Balance besonders wichtig. Zu kalt ist unangenehm, zu warm kostet unnötig Energie – und manchmal sogar den guten Schlaf. 25 Grad im Schlafzimmer mögen für einen tropischen Urlaub passend sein, für eine erholsame Nacht sind sie meist wenig hilfreich. Moderne Heizsysteme können wesentlich genauer regeln als früher. Raumthermostate, elektronische Heizkörperventile und intelligente Steuerungen passen die Temperatur an die tatsächliche Nutzung an. Wer tagsüber nicht zu Hause ist, muss die Wohnung schließlich nicht auf Wohlfühltemperatur halten. ...

Zwischen Ordnung und Wildnis

Frau Lo, Sie planen unter anderem Außenanlagen für die Wohnprojekte der BWSG und öffentliche Räume. Welche Überlegungen spielen dabei eine Rolle? Carla Lo: Zu Beginn steht immer die Frage, wer die Freiflächen nutzt und welche Bedürfnisse damit verbunden sind. Wir planen für ältere Personen genauso wie für Kinder und Jugendliche – und jede Gruppe hat andere Ansprüche. Kinder freuen sich über Möglichkeiten zum Herumtoben, Klettern und Entdecken. Ältere Menschen wünschen sich eher ein schattiges Plätzchen, von dem aus sie das Geschehen beobachten können. Ein guter Freiraum schafft es, diese unterschiedlichen Bedürfnisse in einem gemeinsamen Außenraum zusammenzubringen. Das bedeutet, Sie müssen auf eine bedürfnisorientierte Balance bei der Gartengestaltung achten? Ja, die Balance zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Planung: zwischen Nutzungsanreizen und Nutzungsoffenheit, zwischen "ordentlich" und "wild" oder auch zwischen "laut" und "leise". Sie beziehen bei Ihrer Planung von Wohnobjekten – so wie bei unserer Roten Emma – oft auch die Dachflächen mit ein. Sollte jede Dachfläche aktiv von Menschen genutzt werden? Nein, ganz im Gegenteil. Die Aktivierung von Freiräumen ist wichtig, aber nicht jede Fläche muss von Menschen genutzt werden. Ein Teil sollte bewusst der Biodiversität vorbehalten bleiben – als ruhiger, ungestörter Lebensraum für Vögel und Insekten. So ...

Ausgabe #13: Zusammenhalt zum Durchblättern

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